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VRI baut Akku für Blackbox im Flugzeug

VRI baut Akku für Blackbox im Flugzeug Das Ellwanger Unternehmen ist auf Batterien für die mobile Anwendungen spezialisiert

ELLWANGEN Die Ellwanger Firma VRI macht Batterien für Blutdruckmessgeräte, Infusionspumpen und mobile Operationstische, aber auch Akku-Packs für die Blackbox in den Flugzeugen von Airbus. Sie entwickelt und produziert Batterien für mobile Anwendungen für die Industrie. Das halten das Land Baden-Württemberg und die EU für so innovativ, dass sie das Unternehmen mit Fördermitteln aus dem Programm „Spitze auf dem Land“ unterstützen. Bezuschusst werden Investitionen in Gebäude, Maschinen und Anlagen. Das Geld kann VRI gut gebrauchen, Lager und Produktion sind im Mai abgebrannt.

Neubau wird größer

Neu gebaut wird auf dem alten Grundstück in Neunheim in der Wilhelm-Maybach-Straße, doppelt so groß wie bisher. Bis Mai stand dort neben dem Bürotrakt, der beim Brand unversehrt geblieben ist, eine Halle mit Lager und Produktion. Der Neubau wird zwei Stockwerke haben, Lager und Produktion getrennt im Erdgeschoss, Forschung und Entwicklung in der ersten Etage. Dieser Bereich soll künftig eine größere Rolle spielen, sagt Jan Hetzel, Entwicklungsingenieur bei VRI und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Früher hat VRI überwiegend im Auftrag gefertigt und für Kunden nach individuellen Systemlösungen gesucht. Inzwischen machen Forschung und Vertrieb 50 Prozent des Geschäftsvolumens aus. Einen großen Markt sieht Hetzel in den Energiespeichern für Zuhause. Die Nachfrage nach Akkus werde ähnlich boomen wie bei Laptops und E-Bikes. Jeder, der eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat und den Strom nicht komplett ins Netz speist, brauche einen Speicher, um den Strom abends für Licht, Wärme oder elektrische Geräte zu nutzen.

Hier findet gerade ein Technologiewechsel statt, sagt Hetzel. Bisher waren Bleiakkus im Einsatz, die drei bis fünf Jahre halten. VRI und andere Hersteller setzen auf Lithium-Ionen-Speicher. Die sind kleiner, leichter und leben länger – kosten aber im Moment auch mehr. Hetzel tüftelt an einer Lösung, bei der wenige, aber dafür größere Zellen zu einer Batterie zusammengeschaltet werden. Das erfordert weniger Verbindungen als viele kleine Zellen und ist deshalb weniger fehleranfällig. Der Prototyp für die neuen Zellen kommt demnächst aus Fernost. Denn VRI fertigt die Zellen nicht selbst, sondern arbeitet hierbei mit Partnerfirmen, auch mit der Varta, zusammen.

Trotzdem bleiben die individuellen Systeme für Auftraggeber wichtig. So sucht ein Hersteller gerade nach einer passenden Batterie für einen Fingerabduck-Scanner. Der soll in Afrika bei Wahlen eingesetzt werden, um Manipulationen zu verhindern. Die Herausforderung sind die Temperaturen: Sind diese zu hoch oder zu niedrig, werden Akkus schwach. Der Fingerabdruck-Scanner muss aber auch bei Hitze verlässlich funktionieren.

Umzug im kommenden Herbst

VRI veredelt, so nennt es Hetzel, die einzelnen Zellen zu Packs, also zu Batteriesystem, und fertigt auch die nötige Überwachungs- und Steuerungstechnik bis zum Ladegerät. Dazu braucht es neben Forschung und Entwicklung auch eine mechanische Werkstatt, Software, Testmöglichkeiten und nicht zuletzt alle Einrichtungen, um den nationalen und internationalen Sicherheitsregularien zu genügen. Denn jedes Akku-Pack aus Lithium-Ionen-Zellen gilt als Gefahrgut.

So lange das neue Firmengebäude noch nicht steht, arbeitet VRI im ehemaligen Imtech-Gebäude in der Dr. Adolf-Schneider-Straße 7. Das ist zu klein, bedauert Hetzel und hofft, dass im Frühjahr mit dem Neubau begonnen wird, und die Firma im September / Oktober einziehen kann.

 

Quelle: schwaebische.de