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Trendforum »Batterien und Akkus« • Wenn der Rasenmäher schnurlos wird

Trendforum »Batterien und Akkus« • Wenn der Rasenmäher schnurlos wird

Trendforum »Batterien und Akkus« • Wenn der Rasenmäher schnurlos wird

»In der Summe ist die Nachfrage nach batteriebetriebenen Geräten der verschiedensten Ausführungen auf dem deutschen Markt auch 2013 ungebrochen«, meint Prof. Werner Tillmetz, Mitglied des Vorstandes Elektrochemische Energietechnologien ZSW.

  

Dass sich die Nachfrage bei den Pedelecs inzwischen abgeschwächt hat, führt allerdings keiner der Teilnehmer des Markt&Technik-Trendforums »Batterien und Akkus« auf eine eventuelle Sättigung dieses Boom-Marktes der letzten Jahre zurück, sondern vielmehr auf das verregnete, wolkenverhangene deutsche Frühjahr 2013. »Die Fahrradbranche verzeichnet dadurch einen Einbruch um etwa 30 Prozent«, so Thilo Hack, Director Industrials Solution bei Ansmann, »das lässt sich im Rest des Jahres einfach nicht mehr aufholen!« Da hilft es auch nicht, dass inzwischen wirklich jeder Fahrradanbieter in Deutschland mindestens ein Pedelec- oder E-Bike-Modell anbieten muss, wenn er nicht Marktanteile verlieren will.

Wurde in der Vergangenheit oft darüber gesprochen, dass die Elektrifizierung der Golf-Wägen oder des Staubsaugers mittelfristig für Bedarf sorgen würde, sind die Umsatztreiber der Gegenwart in der Lebensrealität vieler Verbraucher angekommen. So erleichtern ihnen elektrobetriebene Logistik-Wägen im Cash-and-Carry-Markt den Großeinkauf. »Es sind Anwendungen wie etwa eine elektrische angetriebene Schubkarre, wie sie in diesem Jahr auf der Intersolar vorgestellt wurde, die nicht nur die Elektrifizierung des Freizeitbereichs, sondern auch den semiprofessionellen Einsatz batteriegestützter Anwendungen vorantreiben«, stellt Jan Hetzel, Application Engineer bei VRI Batterie-Technik fest.

Etwas skeptisch stehen die Forumsteilnehmer dem zukünftigen Potential der batteriegestützten Zwischenspeicherung von regenerativ erzeugtem Strom, in erster Linie aus Photovoltaik-Anlagen, gegenüber. Einen explosiven Boom, wie bei den Pedelecs, erwartet Hetzel in diesem Bereich nicht. Für Prof. Dr. Karl-Heinz Pettinger geht die inzwischen erfolgte Ausrichtung der KfW-Förderung für diese Applikationen schon in die richtige Richtung, »mit einer deutlichen Nachfragesteigerung, wird aber wohl erst dann zu rechnen sein, wenn in einigen Jahren die ersten PV-Anlagen aus der Förderung gehen und die Steigerung des Eigenverbrauchs nicht nur für die Besitzer neuer PV-Anlagen eine höhere Priorität gewinnt«. Zwar war in diesem Jahr zu beobachten, dass auf der Intersolar über 150 Anbieter solche Lösungen präsentierten, doch die Teilnehmer des Forums wiesen auf eine Reihe von Anfangsproblemen dieses möglichen zukünftigen Boom-Marktes hin. So ist bislang nicht klar, welche elektrochemische Lösung sich für diese Applikation durchsetzen wird. Aktuell konkurrieren klassische Blei-Akkus mit Nickel-Metall-Hydrid- und Lithium-Mangandioxid- oder Lithium-Eisen-Phosphat-Lösungen um diesen Markt, wobei einige der Forumsteilnehmer durchaus bezweifeln, »ob sich im Fall einer Lithium-Lösung die Leute wirklich eine potentielle Bombe in den Keller stellen wollen«. Prof. Pettinger wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass hier gerade eine Importwelle über den deutschen Markt schwappe, »die bei Sicherheitstests nicht wirklich überzeugend abschneiden«. Dazu kommt eine noch in den Kinderschuhen steckende Standardisierung, etwa was die Kompatibilität der verschiedenen »Speicherlösungen« mit den am weitesten verbreiteten Solarwechselrichtern angeht.

Beim Thema E-Mobility setzen die versammelten Experten für den deutschen Markt in erster Linie auf Hybrid-Lösungen. »Von Seiten der Automobilhersteller wurden zwar erst wieder vor Kurzem neue Zielvorstellungen für die Preise entsprechender Batterielösungen für Elektrofahrzeuge genannt«, erinnert Dr. Michael Gnann, Gründer der MGC Consulting, »ich sehe jedoch nicht, wie diese Vorstellungen in kurzer Zeit erfüllt werden sollen«. Prof. Tillmetz weist darauf hin, dass es für die deutsche Automobilbranche wichtig sein wird, diese Technologie zu beherrschen, »wirklich entscheidend sein wird aber, ob es dem Zusammenspiel aus Industrie, Wirtschaft und Politik gelingt, auf diesem Gebiet einen Leitanbieter in Deutschland aufzubauen«.

Wie wird es mit dem Arbeitspferd der modernen Mobiltechnik, der 18650-Zelle, weitergehen? Hier zeigten sich die Diskussionsteilnehmer weitgehend einig: »Es gibt ganz klar eine physikalische Grenze für die Energiedichte, die ich in diesem Volumen speichern kann«, versichert Dr. Jürgen Heydecke, Managing Director von Batteries and Power Solutions. Dieser Wert läge wohl bei 4 Ah - eine Einschätzung, die von den übrigen Diskussionsteilnehmern geteilt wird. Erreicht wird diese Grenze nach Auskunft von Andreas Jeyarajah, Field Application Engineer bei Samsung SDI Europe, jedoch erst in einigen Jahren, »die Kapazitäten werden schrittweise in diese Richtung erweitert, die Optimierungen werden aber in kleinen Schritten erfolgen, etwa von 3,4 zu 3,5 Ah und so weiter«.

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